Feuerwehr


Einträchtig und sehr gastfreundlich
Von unserer Mitarbeiterin Inge Braune

 

Reinsbronn. Ihr 125-jähriges Bestehen feierte die Freiwillige Feuerwehr Reinsbronn, Niedersteinach und Schirmbach drei Tage lang (wir berichteten).

Die Beachparty mit DJ Floj und der Stimmungsabend mit den Reuscher Musikanten und dem Bieranstich, bei dem Bürgermeister Hartmut Holzwarth und Ortsvorsteherin Elisabeth Nehf-Röcker sich auf fachkundige Unterstützung der Herbsthauser Bierbrauer-Dynastie verlassen konnten, sorgten am Freitag und Samstag für die richtige Einstimmung in den Hauptfeiertag.

Den sonntäglichen Festgottesdiest mit Pfarrer Volker Adler umrahmten die Klosterwälder Musikanten - mit einem weinenden und einem lachenden Auge: den scheidenden Pfarrer lässt im Ort keiner gern ziehen. Zur Mittagessenszeit hatten Landfrauen und Feuerwehr alle Hände voll zu tun, um die hungrigen Gäste in der kurzerhand zur Festhalle umgewidmeten Hofmanschen Maschinenhalle zu versorgen.

Die Teller waren noch nicht leer, als sich bereits die neuen Bürgersteige füllten. Reinsbronner schleppten Bierbänke und Gartenstühle aus den Häusern. Sichtbar feierte hier ein ganzes Dorf den Feuerwehrgeburtsgag - einträchtig und sehr gastfreundlich. Besucher aus der Ferne konnten sich darauf verlassen, Plätze mit bester Sicht auf Festkutsche, die Feuerwehrabteilungen aus Creglingen und der Nachbarschaft und die Musikkapellen zu ergattern.

Klar, dass die Creglinger Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr beim Umzug der Reinsbronner mitmarschierten - aber auch aus den baden-württembergischen und bayerischen Nachbargemeinden reisten die Helfer und Retter an. Gut, dass kein Brand die Feierlaune störte: Schließlich waren neben den Creglinger Wehren auch die aus Niederstetten und Weikersheim im Reinsbronner Festeinsatz, auch Aub, Aurau, Adelhofen, und Althausen, Buch, Oellingen, Simmershofen und Tauberscheckenbach waren am Sonntag Nachmittag in Sachen Brandschutz fast verwaist, so stattliche Abordnungen hatten die Städte und Dörfer als Gratulantenschar nach Reinsbronn geschickt.

Hoch zu Ross führten drei Reiter den Umzug an und führten stolz die Creglinger Standarte durch den Ort. Beste Stimmung herrschte in der Kutsche der Ehrengäste mit Bürgermeister, Ortsvorsteherin, Pfarrer, Stadt- und Ortskommandant und dem Vorsitzenden des Feuerwehrverbands Peter Achatz. Die Nassauer Abteilung setzte mit ihrer alten Pumpe, die zwei Mann bergauf durch den Ort zogen, historische Zeichen, auch die Queckbronner setzten auf Geschichte, machten es aber dem Fahnenträger mit der alten Standarte doch etwas leichter. Die Reinsbronner Jugendfeuerwehr setzte mit ihrem immerhin motorisierten "Feierwehr"-Mobil unter dem Motto "Durst- statt Brandlöschzug" einen amüsanten Schlussakzent.

Den perfekten Marschtritt unterstützten die Musikkapelle Equarhofen, die Stadtkapelle Aub und die Herrgottstaler Musikanten.

Statt Gastgeschenke zu verteilen, spendierte die Reinsbronner Wehr unter der Leitung von Kommandant Eugen Wolfarth allen Abteilungen pro fünf Mann eine Maß Bier. Creglinges Bürgermeister rechnete kurz das Präsent der Stadt in Flüssigwährung um: Rund eine Maß für jedes der 125 Jahre der Reinsbronner Wehr sollten sich mit dem Geburtstags-Scheck wohl besorgen lassen, so Holzwarth launig.

Glückwünsche von den im Feuerwehrverband organisierten Kameraden überbrachte der Verbandsvorsitzende Peter Achatz. Pech für Kreisbrandmeister Alfred Wirsching, dass er, statt in Reinsbronn mitzufeiern, in Urlaub weilt. Seine Grüße und Glückwünsche überbrachte ebenfalls Achatz, Wirschings Stellvertreter.

Der Regenguss, der nach dem Umzug einsetzte, konnte keinem die Laune verderben: Bis in die Nacht feierten die Gäste mit der Trachtenkapelle Bieberehren und der Musikgemeinschaft Baldersheim-Burgerroth ihre Jubiläumswehr.



125 Feuerwehr Reinsbronn: 400 Gäste beim städtischen Seniorennachmittag

Buntes Programm ließ die Zeit vergehen wie im Flug
Von unserer Mitarbeiterin Inge Braune


Reinsbronn. Das Dörfchen ist beflaggt, die Straßen picobello gefegt, wo immer ein Blumentopf, ein kleines Beet Platz hat, blüht es. Unübersehbar feiert hier ein ganzer Ort.

Nach dem Einweihungsfest für die neue Kanalisation und die Durchgangsstraße ist es jetzt die Feuerwehr, die ihr 125-Jahr-Jubiläum mit einem Jahr Verspätung nachfeiert. Aufgeschoben wurde die große Jubiläumsfeier einerseits, weil in Creglingen ohnehin reichlich Jubiläen auf dem Programm standen - andererseits, und das dürfte die Entscheidung nachhaltiger beeinflusst haben, weil 2007 fast alle Reinsbronner Straßen aufgerissen waren. Ein Festumzug hätte Slalom laufen müssen. Jetzt geht das prima.

Start mit Beach-Party
Eine "Festhalle" hat Reinsbronn inzwischen auch: Mit der Maschinenhalle von Familie Hofmann hat der Ort schon beste Erfahrungen gesammelt, und damit ist es Ehrensache, dass hier auch die Feuerwehr feiert. Am Freitag eröffnete DJ Floj (Florian Adler aus Reinsbronn) das Fest vor über 400 vorwiegend jungen Leuten mit einer Beach-Party, am Samstag folgten in der Halle erst der Seniorennachmittag, am Abend dann - die Reucher Musikanten steuerten die Musi bei - Bieranstich.

Wenn ohnehin schon kräftig gefeiert wird, dann ist das guter Grund, auch den Creglinger Seniorennachmittag kurzerhand an den Festort zu verlegen. Beste Erfahrungen hat man damit bereits gesammelt, als vor drei Jahren die Freiwillige Wehr aus Freudenbach, Erdbach und Schön ihr Jubiläum feierte.

Das Reinsbronner Lied
Das hat sich offensichtlich rund gesprochen, denn zum Seniorennachmittag nach Reinsbronn kamen zur Freude der Feuerwehr und zur Begeisterung von Ortsvorsteherin Elisabeth Nehf-Röcker rund 400 Mitbürger aus allen Teilorten - so viele wie noch nie. Wimpel, viel Grün und Blumenschmuck begrüßten die zum großen Teil in den Zubringerbussen angereisten Senioren. Den Nachmittag eröffnete mit dem Reinsbronner Lied die Männerrieg des Gesangvereins Eintracht Reinsbronn unter der Leitung von Susanne Habel. Die Frauen des gemischten Chores präsentierten die leise Melodie, die von fern herüberweht - und den Sommer, der lachend übers Feld kommt.

Die fröhlich akzentuierte Lautmalerei passte, wie Bürgermeister Hartmut Holzwarth bei seiner Eröffnungsansprache anmerkte perfekt zu den Bildern, die während der Anfahrt an den Gästen vorbeigezogen waren. Bisher zumindest habe Creglingen mit Wetterkapriolen mehr Glück gehabt als andere Landstriche.

So konnten die Senioren sich völlig unbeschwert auf das bunte Programm freuen, das der Reinsbronner Bühnenzinnober eröffnete. "Fahrt zurück in die Zukunft" hat Arno Boas, der in der Szene selbst das Steuer übernahm, das Kurzstück genannt, das flink ins Jahr 2033 führte. Mit grad mal 45 Sachen ist das Ehepaar mit zwei Kindern unterwegs zum 150-jährigen Reinsbronner Feuerwehrjubiläum, weil das umweltschonende Elektroauto nicht mehr hergibt. Da überholen einen glatt die Bulldogs . . .

Stau auf der Holzwarth-Bridge
Auch, wenn es auf der Straße langsam geht - Creglingen und die Teilorte haben sich gewaltig gemausert, wie aus den Autoradio-Meldungen der vielen Lokalradiostationen hervorgeht. 14 000 Einwohner - für den Zuwachs wird auch Senior-Bürgermeister Holzwarth seinen Beitrag geleistet haben - quälen sich im Stau über die "Golden Holzwarth-Bridge" und die "Platin Würth-Bridge". Ein Rathaus gibt's nicht mehr, dank der Fusion mit Weikersheim und Niederstetten, dafür aber eine generalsanierte Keltenburg mit jährlichen Fritz-Danner-Gedächtnisspielen, im MELAP-Ort Münster ein riesiges Schlammparadies, in Münster, Sechselbach und auf dem Äckerbrunnen riesige Gewerbegebiete... Reichlich Lokalkolorit und amüsant überdrehte Ausblicke in die nach Russlands EU-Beitritt ausgerufene Rubel-Zone der Zukunft sorgten für perfektes Lachmuskeltraining beim Publikum. Dass die Bühnenzinnober-Truppe (neben Arno Boas noch Susanne Stirmlinger, Juliane Meder, Carola Meder und Friedrich Meder) durch zwei Stromausfälle zu gänzlich ungeplanter, doch höchst amüsanter und auch noch punktgenauer Improvisation greifen musste, setzte dem Zukunftsstück dann noch ein letztes Krönchen auf. Regelrecht generalstabsmäßig vorbereitet hatten Landfrauen und Feuerwehr die Verköstigung: die Feuerwehrler trugen die hausgemachten Kuchen tafelweise in die Halle.

Ganzer Saal in Bewegung
Der "Fröhliche Kreis Creglingen" im Alter von "fünfzig plus, plus, plus", wie Leiterin Lierheimer ihre Tanzgruppe ankündigte, hatte sich in der Pause in polkalustige Cowboys und -girls verwandelt. Der Gesangverein Eintracht Reinsbronn brillierte in der Sprache der Musik mit Charleston-Rhythmen und einem klanglichen Blick auf den Lauf der Zeit. Daniel Wolfarth steuerte auf dem Akkordeon Volkslieder bei, die Gymnastikgruppe Reinsbronn-Niedersteinach brachte Schwung auf die Bühne; ihre Leiterin Karin Hess versetzte anschließend bei der im Sitzen auszuführenden Mitmach-Polka den ganzen Saal in Bewegung: vierhundert Hände reckten sich Richtung Hallendach.

Älteste Besucherinnen geehrt
Für die beiden ältesten Besucher - die 94-jährige Marie Thal aus Bad Mergentheim und die 91-jährige Frieda Schäfer aus Creglingen hatten Bürgermeister Holzwarth und Ellen Naser, die für die perfekte Organisation des Nachmittags verantwortlich zeichnet, Blumen und Weinpräsente mitgebracht. Gemeinsames Singen und ein irischer Segensgruß von Pfarrer Volker Adler rundeten den Nachmittag in der Reinsbronner Festhalle ab.

Fränkische Nachrichten
07. Juli 2008